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Sage und Geschichte

Um den Neversdorfer See mit einer Länge von 2,5 km und einer größten Breite
im Westen von 500m haben sich im Laufe der Jahrhunderte alle möglichen
Vermutungen geschlungen. Bei dem Versuch Sage und Wirklichkeit auseinander-zuhalten sind interessante Dinge entdeckt worden.

Vor allem um die kleine Insel im See ranken sich viele Sagen und Erzählungen.
Wer als Fremder zum ersten Mal mit dieser Landschaft in Berührung kommt, erfährt von den Alteingesessenen merkwürdige Dinge. So soll auf der Insel eine Schule gestanden haben, zu der Kinder aus Neversdorf und Krems1 mit dem Boot gebracht wurden. Andere berichten von einem Kloster oder einer Kapelle. Was liegt da näher, als dass dann auch eine Nonne hier eingemauert wurde. In der Reformationszeit sollen katholische Mönche hier Zuflucht gefunden haben. In engster Beziehung damit steht das nahe gelegene Ufer an der Neversdorfer Straße, an dem vermutlich die Burg der drei Junker gestanden haben soll.

In der ältesten Aufzeichnung des Leezener Pfarr- Archivs aus dem Jahre 1564 berichtet Jakob Wittens aus Leezen von drei Junker (deren Namen Sivert von Neverstorp, her Horn von Siegeberg und Michel von der Helle waren), die der Kirche in Leezen Land geschenkt haben. Pastor Meifort schrieb 1939 folgende Erläuterung:

Das Land, das Hans Rheder damals in Pacht hatte, ist danach eine Schenkung der drei genannten Junker aus katholischer Zeit. Als Gegenleistung ist für diese Stifter von der Kanzel der Leezener Kirche sonntäglich Fürbitte geleistet worden. Eine Schenkungsurkunde ist nicht vorhanden, sie soll beim Abbruch des Schlosses in Neversdorf vorgefunden und daselbst verlorengegangen sein. Lt. Kircheninventar handelt es sich um folgendes Land: die heutigen Koppel links und rechts vom Tralauer Weg, die teils den Namen Krögerland trugen, teils Papenmüssen.

Als 1870 die 800 Jahre alte Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, fand man eine von Backsteinen gemauerte Gruft. Am Boden dieser Gruft stand ein Sarg. Von der nicht mehr identifizierbaren Leiche wird vermutet, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Mitglied der Gemeinde handelte, sondern um einen jener Junker am See. Nämlich Sievert von Neversdörp.

Was die Schule auf der Insel betrifft gibt es zwar viele mündliche Überlieferungen, die ihr Bestehen bestätigen, allerdings findet sich nirgends eine Aufzeichnung, die nur andeutungsweise auf die Inselschule hinweist.

Von all den Fragen nach Sage oder Geschichte kann nur eine klar beantwortet werden: Drei Junker haben hier gelebt und der Kirche ca. 100 Tonnen Land geschenkt. Nicht beantwortet werden kann bis zum heutigen Tag die Frage nach dem Standort der Burg.

Am Westrand der Insel fand man Henkel von mittelalterlichen Sterttöpfen, im Innenwall eine frühgeschichtliche Messerschneide und eine brozenes Henkel-fragment von einem Holzeimer. Diese Funde können auf das Vorhandensein von Bauwerken im Mittelalter schließen lassen.

Bei Nachforschungen über den Wahrheitsgehalt all dieser Vermutungen wurden seit 1963 interessante Funde gemacht. So fand man bei Probegrabungen mittel- und spätslavische Keramik (10. bis 12. Jh.). Außerdem machte man die Entdeckung, dass es sich bei der Insel im Neversdorfer See um einen slavischen Ringwall handelte, der mehrere Jahrhunderte hindurch von Slaven besetzt gewesen ist.